Medienbericht aus der AZ vom 20.04.2005

© Aargauer Zeitung

8 Monate fĂŒr Feuer im Hanfzuchtkeller

Man hĂ€tte meinen können, es stĂŒnden eine WĂ€rmelampe und eine Kabelrolle vor Bezirksgericht Lenzburg. TatsĂ€chlich ging es darum herauszufinden, welche dieser zwei GerĂ€tschaften eine Feuersbrunst ausgelöst hatte.
Doch der fahrlÀssigen Verursachung derselben angeklagt war der 29-jÀhrige Maurer H. G. Pikant: Das Feuer brach im Keller aus, wo G. eine so genannte Indoor-Hanfaufzuchtanlage betrieb. Zur Beurteilung stand deshalb auch Widerhandlung gegen das BetÀubungsmittelgesetz.
FreimĂŒtig schilderte G., wie er «schon immer» kiffe. Zum Eigengebrauch sei es «am sichersten», selber anzubauen. Ja, das Schweizer Gesetz sei zu leger, antwortete G. auf die Frage von GerichtsprĂ€sident Albert Suter. Im arabischen Raum, wo die Strafen fĂŒr Drogenkonsum weit drakonischer sind, will G. sich niederlassen, um «von allem weg zu kommen».
«Es kann nicht die Lampe gewesen sein», befand G. Auf seine Befragung musste er allerdings geschlagene anderthalb Stunden warten, in denen zwei Brandermittlungs-Experten zu Wort kamen – und zum Schluss, so derBericht der Untersuchungsbehörde, die Brandherdzone liege «eindeutig im Lampenbereich». Der Abstand der leistungsstarken 400-Watt-Lampe zu den mit «sehr leicht brennbarer» Folie bezogenen WĂ€nden habe nur 16 Zentimeter betragen, «was nicht den Vorschriften entspricht».
Die Strategie des Verteidigers beruhte auf der Aussage eines Feuerwehrmanns, der die Kabelrolle hatte brennen sehen. Der Anwalt verhörte Experte 1 richtiggehend, versuchte ihn in WidersprĂŒche zu verwickeln, («Wie kann brennende Folie auf den Boden tropfen, wenn lauter Schalen darauf stehen? Woher wissen Sie, wo die Kabelrolle stand, wenn die Feuerwehr sie verschoben hat?»). Doch dieser beharrte auf seiner Version: «Dort unten war unmöglich der Brandherd. Und wenn Sie meine FĂ€higkeiten infrage stellen: Ich bin seit 11 Jahren Brandermittler!»
Noch ein Jahr lĂ€nger StĂŒtzpunktfeuerwehrkommandant war Experte 2, der die zwei GerĂ€te untersuchte. «Wenn Sie sagen, die Lampe sei eine ‹absolut mögliche› Ursache, gibts doch auch andere Möglichkeiten, oder?», bohrte der Verteidiger. «Kann ich nicht beantworten», gab der Experte zurĂŒck. «Die Brandursache steht nicht eindeutig fest», resĂŒmierte der Anwalt in seinem PlĂ€doyer. G. habe die Situation mit einer stĂ€rkeren Lampe, die lĂ€nger brannte und mit noch weniger Abstand zur Wand rekonstruiert – ohne dass ein Feuer ausgebrochen wĂ€re. Dass die Folie leicht brennbar ist, sei «reine Spekulation» der Brandermittler, die ihre AbklĂ€rungen «mangelhaft» getroffen hĂ€tten.
Dem Antrag auf Freispruch vom Vorwurf der fahrlÀssigen Verursachung einer Feuersbrunst konnte das Gericht nicht entsprechen: Es sprach G. im Sinne der Anklage schuldig, reduzierte das Strafmass allerdings auf 8 Monate GefÀngnis bedingt und 300 Franken Busse. Die Staatsanwaltschaft hatte 15 Monate gefordert, die Verteidigung 5 Monate.